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Erfahrungsbericht über die Feldforschungsarbeit in Tambak Lorok

Autorin: Tina Kamps

Zeitraum: Juli – August 2019

Hallo! Ich heiße Tina Kamps, bin 29 Jahre alt und studiere Wirtschaftspädagogik und Politik auf Berufsschullehramt im Master. Um einen Einblick in die Entwicklungshilfe zu erlangen und mehr über das Thema Public Health zu erfahren, habe ich mich dazu entschieden ein Praktikum bei BUGI e.V. zu machen. Im Rahmen dessen erhielt ich die Möglichkeit an dem Hilfsprojekt „KAFEIN“ und dem Forschungsprojekt „Gesundheitsverhalten in Indonesien“ teilzunehmen, was in der Zeit vom 21.07. – 06.08.2019 in Semarang beziehungsweise in dem Vorort von Semarang, Tambak Lorok stattfand. Ich möchte in diesem Erfahrungsbericht gerne mitteilen, welche Eindrücke und Erlebnisse ich während meines Aufenthalts und der Arbeit in Tambak Lorok gewinnen konnte.

„Das Projekt hilft BUGI die Lebensumstände und die Herausforderungen der lokalen Bevölkerung noch besser zu verstehen, um das KAFEIN-Projekt (und eventuelle zukünftige Projekte) noch nachhaltiger zu gestalten und einen optimalen Umgang vor Ort zu ermöglichen.“

Das Forschungsprojekt wird geleitet durch das Institut für Soziologie der Leibniz Universität Hannover und wird in Kooperation mit Universität UNIKA (Universitas Katolik Soegijapranata), der Einrichtung LPUBTN (Lembaga Pendamping Usaha Buruh Tani Dan Nelayan) und dem KED (Kirlicher Entwicklungsdienst) durchgeführt. Das Projekt hilft BUGI die Lebensumstände und die Herausforderungen der lokalen Bevölkerung noch besser zu verstehen, um das KAFEIN-Projekt (und eventuelle zukünftige Projekte) noch nachhaltiger zu gestalten und einen optimalen Umgang vor Ort zu ermöglichen. Mehr Informationen über das KAFEIN-Projekt sind unter  https://www.bugi-ev.org/kafein/ zu finden.

Zur Vorbereitung für die Reise nach Semarang gab es ein Einführungsseminar an der Leibniz Universität Hannover. Frau Dr. Karina Hoekstra, die Leiterin des Forschungsprojektes und Herr Andreas Kurschat, der die Betreuung der Studierende für die Datensammlung übernahm, gaben uns einen Einblick in den ersten Teil des Projektes, welcher letztes Jahr im Sommer durchgeführt wurde. Wir sahen Bilder von Tambak Lorok und zwei Studenten, die im letzten Jahr an der Exkursion nach Semarang teilnahmen, erzählten von ihren Erfahrungen. Der Bericht dazu ist unter https://www.bugi-ev.org/category/blog/.  Zudem erhielten wir Hinweise auf kulturell geprägte Verhaltensweisen und Tipps und Ratschläge wie man damit umgehen sollte. Wir wurden auch auf eine gewünschte Kleiderordnung hingewiesen.

„Das Essen dort war sehr lecker und für mich war es das erste Erlebnis in Indonesien, an das ich mich gern zurückerinnere.“

Am 21. Juli 2019 war es dann soweit. Wir machten uns auf den Weg nach Semarang. In Semarang wurden wir von Oely Sidabalok, die Leiterin von dem Team der Universität UNIKA und zwei indonesischen Studentinnen Helen und Sita, welche auch an dem Projekt teilnehmen, freundlich empfangen. Es herrschte sofort eine positive Stimmung zwischen uns allen, so dass ich mich schnell wohlfühlte. Mit Oely, Helen und Sita ging ich am selben Abend noch essen. Da ich gern typisch indonesisch essen wollte, fuhr Oely mit uns zu ihrem Lieblings-Warung. Das Essen dort war sehr lecker und für mich war es das erste Erlebnis in Indonesien, an das ich mich gern zurückerinnere. So wurde mir bereits am ersten Abend ein kleines Stück indonesische Kultur vermittelt.

An dem darauffolgenden Tag trafen wir uns mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu einer Willkommens-Veranstaltung in der Universität UNIKA (Unika Soegijapranata Semarang). Hier wurde noch einmal das Forschungsprojekt von Frau Dr. Karina Hoekstra vorgestellt, Herr Dyon Hoekstra stellte als Referent von BUGI das KAFEIN-Projekt vor und Herr Andreas Kurschart stellte den Kirchlichen Entwicklungsdienst vor. Anschließend spielten wir noch ein Kennenlernspiel mit allen zusammen, bevor es dann nach Tambak Lorok ging. 

„Die Dorfältesten sind für die Leitung ihrer Gemeinschaft verantwortlich und ermöglichen uns den Zugang zu den Bewohnern in Tambak Lorok und unterstützen somit die Durchführung der Projekte.“

In Tambak Lorok ging es dann zu vier Dorfältesten, denen wir uns vorgestellt haben. Die Dorfältesten sind für die Leitung ihrer Gemeinschaft verantwortlich und ermöglichen uns den Zugang zu den Bewohnern in Tambak Lorok und unterstützen somit die Durchführung der Projekte. Wir wurden von allen nett empfangen und durften für ein kurzes Gespräch in den Häusern Platz nehmen. Hauptsächlich liefen wir die Hauptstraße entlang und eine Parallelstraße dazu, welche direkt am Wasser gelegen ist. In diesen beiden Straßen sah es sehr schön aus. Die Häuser in diesen beiden Straßen waren in einem sehr guten Zustand. Ich war daher etwas überrascht, weil ich es in einem „Slum“ anders erwartet hatte. 


„Da sich die Toiletten über dem Wasser befinden gibt es keine Grube, in der das Urin und der Stuhl gesammelt wird. Somit gelangt alles ins Meer.“

Wir kamen auch zu der Stelle, an der die öffentlichen Toiletten im Rahmen des KAFEIN-Projekts gebaut werden. Außerdem konnten wir die Plumpsklos, welche aktuell als öffentlichen Toiletten dienen, besichtigen. Diese befinden sich am Ufer über dem Wasser. Ein Steg aus Bambusstämmen wurde dafür im Wasser gebaut. Am Ende des Stegs befinden sich 2 Toilettenhäuschen und in den Toilettenhäuschen sind dann die Toiletten ohne Wasserspülung. Da sich die Toiletten über dem Wasser befinden gibt es keine Grube, in der das Urin und der Stuhl gesammelt wird. Somit gelangt alles ins Meer. 

„In der Nebenstraße wurde mir bewusst, dass es nicht überall so schön aussah wie in der Hauptstraße“

Am nächsten Tag sollte die Datensammlung des Forschungsprojektes losgehen. Jede deutsche Studentin bildete ein Team mit einer indonesischen Studentin und jedes Team bekam bestimmte Straßen zugeteilt um Fragebögen zu verteilen oder den Fragebogen vorzulesen und die Antworten der Befragten selbst zu notieren. Christine und ich bekamen zunächst eine Nebenstraße, welche sich etwas weiter hinten befand, zugeteilt. In der Nebenstraße wurde mir bewusst, dass es nicht überall so schön aussah wie in der Hauptstraße und der Parallelstraße am Wasser die wir den Tag vorher gesehen hatten. Hier waren die Häuser oftmals in keinem guten Zustand und die Straße war schmutziger. Insgesamt waren die Verhältnisse, in denen die Menschen dort lebten, ärmlicher als in der Hauptstraße. Daran musste ich mich erst einmal gewöhnen. Die Personen, die wir interviewt haben, waren sehr freundlich und aufgeschlossen uns gegenüber. Auch mit sensiblen Fragen zur Vergewaltigung oder Abtreibung wurde größtenteils offen umgegangen. Meistens wurden wir reingebeten und durften auf dem Boden Platz nehmen. Einige von uns machten während der Befragung die Erfahrung, dass sich Nachbarn dazu gesellten und sich plötzlich um die 20 Personen im Wohnzimmer aufhielten und gespannt der Befragung folgten. Generell erhielten wir während der Datensammlung viel Aufmerksamkeit.

„Innerhalb der Teams lernten wir uns immer besser kennen und waren nach ein paar Tagen sehr eingespielt.“

Die Verteilung der Fragebögen und die Befragung setzten sich acht weitere Tage fort. Innerhalb der Teams lernten wir uns immer besser kennen und waren nach ein paar Tagen sehr eingespielt. Die Befragungen nahmen nicht mehr so viel Zeit in Anspruch wie am ersten Tag und so schafften wir an einem Tag sogar sechs Fragebögen. Im Laufe der Zeit konnte in unterschiedlichen Situationen die Erkenntnis gewonnen werden, dass die Fragestellung an einigen Stellen bei den indonesischen Studentinnen und den Einwohnern in Tambak Lorok unterschiedlich verstanden und interpretiert wurde. Beispielsweise wurde die Frage: „Geben Sie auf einer Skala von 1-10 an, ob Sie es in Ordnung finden, wenn einem Mann bei einer Frau die Hand ausrutscht.“ so interpretiert, dass der Mann die Hand einer Frau hält. Glücklicherweise konnten diese Missverständnisse in den ersten Tagen geklärt werden. 

Die meisten Personen, die wir befragt haben, waren Frauen im mittleren Alter oder etwas älter. Sie waren größtenteils verheiratet und hatten mehrere Kinder. Fast alle gaben an, muslimisch zu sein. 

An einem Tag besuchten wir eine Wasserauffüllungsstation, die uns zeigte, wie das Wasser in Gallonen verteilt und anschließend zumeist als Trinkwasser oder auch Kochwasser verkauft wird. Das Wasser wird vom Ungaranberg in großen Mengen durch Wasserleitungen zur Wasserauffüllungsstation geleitet und dort in einem Wassertank gelagert. Das Wasser durchläuft mehrere Filterprozesse (auf der Foto die fünf Röhren nebeneinander) bevor in den großen silbernen Röhren Sauerstoff hinzugefügt wird. Danach soll ein UV-Licht die letzten Bakterien abtöten und anschließend kann das Wasser in Gallonen gefüllt werden.

„Manche Nachbarschaften die im Moment noch nicht die Vorteile vom KAFEIN Projekt bekommen werden, haben ausdrücklich ihr Interesse geäußert für ein gleiches Projekt in ihren Nachbarschaft.“

Am Ende, nach der Feldarbeit der Studierenden, gab es noch ein Community Meeting mit eingeladenen Bewohnern aus Tambak Lorok und den Teilnehmern des Projekts. Hier wurde noch einmal das KAFEIN-Projekt vorgestellt, welches von den Bewohnern sehr positiv wahrgenommen wurde. Manche Nachbarschaften die im Moment noch nicht die Vorteile vom KAFEIN Projekt bekommen werden, haben ausdrücklich ihr Interesse geäußert für ein gleiches Projekt in ihren Nachbarschaft. Zudem wurde über Probleme und Herausforderungen in Tambak Lorok diskutiert. Ein großes und existenzgefährdendes Problem stellt die Gefahr der Überflutung dar. Viele Häuser in Tambak Lorok sind immer wieder von dem Problem betroffen. Die Überflutungen sorgen auch dafür, dass, sogar wenn die Bewohner eine eigene Toilette haben (meistens mit Klargrübe), die Toiletten oft nicht mehr richtig funktionieren. Es war spürbar, dass dieses Thema die Bewohner sehr stark beschäftigt und am Herzen liegt und in der Zukunft Lösungen vor allem in diesem Bereich notwendig sind. 

„Außerdem konnte ich durch die Reise mein Wissen zum Thema Public Health erweitern und das KAFEIN-Projekt von BUGI live vor Ort sehen, was einen besonderen persönlichen Bezug zu dem Projekt schafft.“

Abschließend war die Teilnahme bei der Datensammlung für dieses Projekt eine tolle und bereichernde Erfahrung für mich. Ich habe viele nette Menschen kennengelernt, mit denen ich mich sehr gut austauschen konnte. Zudem konnte ich die indonesische Kultur, welche mir bis dahin unbekannt war, entdecken. Beispielsweise habe ich die indonesische Esskultur kennengelernt, etwas über die Rolle der Frau in der Gesellschaft erfahren und auch an traditionellen Bräuchen und Festen teilgenommen. Außerdem konnte ich durch die Reise mein Wissen zum Thema Public Health erweitern und das KAFEIN-Projekt von BUGI live vor Ort sehen, was einen besonderen persönlichen Bezug zu dem Projekt schafft.

Herzliche Grüße

Tina Kamps