Ausbau der sozialen Sicherheit

Wie in vielen Ländern mit entwicklungspolitischen Problemen, sind auch in Indonesien die natürlichen Ressourcen groß. Das Land ist reich an mineralischen Rohstoffen wie Kohle, Zinn, Gold oder Nickel. Dazu kommen ein großes Holzvorkommen sowie Palmöl, Kaffee, Tee, Kakao und andere Agrarprodukte. Das Problem besteht jedoch darin, sich diese Fülle an Rohstoffen zu Nutze zu machen. Es ergibt sich eine Aneinanderreihung von Problemen. Um diese zu verstehen, muss auch die indonesische Gesellschaft verstanden werden.

Der Großteil der Bevölkerung in Indonesien lebt in der Unsicherheit über die nächsten Tage. Sorgen um ausreichend Lebensmittel, die Familie, oft auch gesundheitliche Probleme dominieren den Alltag. Die Menschen leben von Tag zu Tag und nehmen, was sie bekommen können. Ein geregeltes Leben mit gesichertem Einkommen ist für viele Menschen utopisch.

Unter diesen Umständen die nächsten Jahre oder auch nur die nächsten Wochen zu planen ist annähernd unmöglich. Auch die Bildung der Kinder leidet häufig durch diese Unsicherheiten. Gesundheitliche Vorsorge oder eine Krankenversicherung sind ein finanzieller und auch organisatorischer Aufwand, der außerhalb des Möglichen steht.

Diese Problematik ist oftmals auf eine Lethargie zurückzuführen, die daraus entsteht einzig und allein für das schlichte Überleben, das eigene und das der Familie, aufzustehen und zu arbeiten. Die eigenen Fähigkeiten und Talente haben keinen Raum, denn für eine freie Berufswahl ist weder Zeit noch Geld vorhanden. Und man kann noch weiter gehen, es besteht nicht mal die Möglichkeit überhaupt herauszufinden,was man wirklich machen möchte oder die eigenen Stärken zu entdecken. Man wächst mit dem Gedanken auf solche Dinge gar nicht erst zu hinterfragen.

Verstärkt wird diese Lethargie durch das Bewusstsein der großen Klassenunterschiede. Die Schere zwischen Armen und Reichen ist riesig in Indonesien und wird immer größer. Vorhandenen Reichtum zu vergrößern fällt nicht schwer und wird oft durch Korruption und Ausbeutung ärmerer Menschen beschleunigt. Die weniger wohlhabenden oder sogar Armen Menschen sehen keine Möglichkeit ihre Lebenssituation zu verbessern. Häufig fehlt ihnen das Wissen und der nötige Antrieb, zu eingenommen sind sie von ihrem kräftezehrenden Alltag.

Doch nicht nur unter Menschen mit geringen Bildungschancen sind die Zukunftsaussichten beschränkt. Auch Kinder von Eltern, die ihrem Nachwuchs ein besseres Fundament finanzieren können haben meist einen bestimmten Weg vorgegeben. Denn in Indonesien herrscht ein bestimmtes Bildungskonzept vor. Dieses sieht neben der gesetzlichen Schulpflicht von 6 Jahren Grundschule, 3 Jahren Mittelschule und 3 Jahren Oberschule ein Studium, wenn irgendmöglich Medizin, damit man später viel Geld machen kann, vor. Denn nur auf diesem Weg ist das ersehnte Ziel der gesellschaftlichen Elite zu erreichen. Abweichende Lebensvorstellungen wie zum Beispiel eine Ausbildung oder ein Studium, welches nicht das primäre Ziel verfolgt Karriere zu machen, werden als falsch wahrgenommen. Menschen, die diesen Weg für sich wählen werden in der Gesellschaft als zweitrangig eingestuft.

Bezogen auf die zu Beginn aufgezeigte Thematik wird deutlich, dass es unter den gegebenen Umstände nicht möglich ist sich der naturgegebenen Rohstoffen zu bedienen. Die Verhaltensmuster und Denkweisen sind zu festgefahren um aus eigenem Antrieb die Dinge in die Hand zu nehmen.

Eines unserer Ziele ist es, diese Ansichten zu verändern. Wir möchten Impulse geben den Beruf zu ergreifen, den man wirklich ausüben möchte und in dem man sich verwirklichen kann. So wollen wir uns zum Beispiel zu Nutzen machen, dass unsere Mitglieder und der Kreis der UnterstützerInnen aus ganz verschiedenen Berufsfeldern kommt. Wir möchten aufzeigen, dass es für jeden Menschen den Platz gibt, an dem seine oder ihre Talente zum Tragen kommen und dazu ermutigen auf die Suche nach diesem Platz zu gehen. Denn eine Gesellschaft lebt und entwickelt sich durch die Vielfalt ihrer Individuen.

In diesem Zusammenhang soll auch die Kluft zwischen arm und reich unser Arbeitsgebiet sein. Es ist nicht möglich diese Kluft in wenigen Jahren zu schließen, aber es ist möglich sie zu verkleinern. Denn ein besseres Leben kann Realität sein für, die es wollen und den Mut haben dafür zu kämpfen, wenn der Reichtum des Landes gerechter verteilt ist.

Weiterhin streben wir auch die Einführung des Ausbildungsberufes zum Paramedik* an. Darüber hinaus sollen die Fachkräfte in das System der Gesundheitsdienstleistung integriert werden. Dieses Modell ist in Indonesien noch nicht etabliert.

Neben der gezielten Umsetzung dieser Ausbildung hoffen wir, Menschen zu ermutigen die Initiative zu ergreifen und solche Pläne auch in anderen Bereichen umzusetzen. Er soll eine Art Vorbildfunktion einnehmen.

Wichtig sind für unsere Arbeit dabei Aufklärung und Zusammenarbeit mit den Menschen. Wir möchten gemeinsam mit ihnen ein neues, zukunftsfähiges Modell entwerfen und aufbauen.

 

*Paramedik beinhaltet die Ausbildung zum Ersthelfer, aber auch die Möglichkeit zur Krankheitsdiagnostik und Krankheitsbehandlung im Notfall. Das Verschreiben von Medikamenten fällt nicht in den Aufgabenbereich.