WISSENSCHAFTLICHER ABEND – GESUNDHEITSVERSORGUNG IN INDONESIEN UND IN DEUTSCHLAND

14.11 (8)

„Ausbau der sozialen Sicherheit – Gesundheitsversorgung in Indonesien und Deutschland“ – unter diesem Titel fand am Freitag, den 14.11.2014 eine Veranstaltung in den Räumlichkeiten des KED Niedersachsens statt.

In Zusammenarbeit mit der Gruppe „Bildung und Gesundheit für Indonesien“ (BUGI) sollte die Situation der Gesundheits- und Bildungsangebote Indonesiens beleuchtet und auch über mögliche neue Wege und Verbesserungen diskutiert werden.

BUGI begann als kleine Gruppe in Deutschland lebender, indonesischer Studenten und ist mittlerweile ein Zusammenschluss von jungen Menschen unterschiedlicher Herkunft. Mit dem Ziel Indonesiens Zukunft positiv zu beeinflussen, besonders im Bereich Gesundheit und Bildung, organisieren sie Veranstaltungen und Projekten.

In diesem Rahmen fand auch der Informationsabend Mitte November statt. Unter Moderation von Dr.med.Stephan Immenschuh vom Institut für Transfusionsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) referierten Asmin Franziska, Dozentin an der Universitas Atma Jaya Jakarta sowie Prof.Dr.med. Christoph Gutenbrunner, Chefarzt der Rehabilitationsklinik Medizinische Hochschule Hannover.

Nach kurzer Vorstellung der RefenrentInnen sowie Organisationen begann Frau Franziska ihren Vortrag über die aktuelle Situation in Indonesien. Sie machte auf die unzureichende medizinische Versorgung aufmerksam, besonders im Zusammenhang mit der geographischen Lage des aus 17.500 Inseln bestehenden Staates. Das Erreichen eines auf einer anderen Insel befindlichen Krankenhauses ist teilweise kaum möglich, da der Fährverkehr zwischen den Inseln unzureichend ist und zudem ein für viele Menschen zu kostspieliges Unterfangen,so ihr Beispiel. Hinzu kommt, dass die politische Koordination im Land schlecht ist, Zuständigkeitsbereiche sind ungeklärt und Aufgaben werden von Amt zu Amt geschoben.

So ist es nicht verwunderlich, dass viele Vorgehensweisen nicht ausgereift oder genügend hinterfragt erscheinen. Das in Deutschland eingesetzte Medikament Methadon, welches eine stark sedierende Wirkung, ähnlich wie Opiate, hat und zur Entwöhnung von Heroinsüchtigen substituiert wird, findet auch in Indonesien Verwendung. Jedoch nicht nur bei Heroinabhängigkeit, sondern ebenso bei Problemen mit anderen Drogen, beispielsweise Marijuana. Der Gedankengang, dass die Methadongabe bei Abhängigkeiten von Heroin erfolgreich scheint und sie damit auch bei anderen Drogen effektiv sein muss, ist fatal, in erster Linie natürlich für die Betroffenen.

Ein Grund für diese Praxis ist sicherlich der landesweite Mangel an Fachkräften. Weiterhin ist die unzureichende sexuelle Aufklärung ein großes Problem. Sexualität ist in der Gesellschaft vielerorts immernoch ein Tabuthema, besonders die wichtigen Bereiche wie etwa HIV und Verhütung/Kondome erfahren zu wenig Präsenz.

Zusammengefasst hat Frau Franziska ihren Vortrag mit der Aussage, dass sich zur Zeit vieles ändert in Indonesien, nur in welche Richtung scheint unklar.

Nach dem ersten 45-minütigen Beitrag folgte die Präsentation von Prof.Dr.med.Gutenbrunner, in der er Informationen zum Aufbau des Gesundheitssystems in Deutschland gab, auch im Hinblick auf wichtige Strukturen, die sich für den Aufbau eines funktionierenden Systems als positiv erwiesen haben.

Beispielsweise das Zusammenspiel von Prävention, Behandlung bei akuten Problemen und der Rehabilitation. Durch Abdeckung dieser drei Bereiche kann eine deutlich höhere Lebensqualität erreicht werden, insbesondere bei chronisch Kranken, die bei einer ausschließlich akuten Versorgung nach einiger Zeit irreversibel geschädigt sein können und nicht mehr arbeitsfähig sind.

An diesem Punkt ist auch die gesetzliche Krankenversicherung anzusprechen,welche in Indonesien nicht vorhanden ist. Lediglich eine private Versicherung ist verfügbar, die kostspielig und somit nur für wenige finanzierbar ist. Eine flächendeckende Behandlungsgewährleistung ist eines der wichtigsten Ziele für die Entwicklungspolitik in Indonesien.

Er verwies darauf, dass beim Aufbau eines Gesundheitssystems zu klären ist welches Finanzierungsmodell sinnvoll ist, beispielsweise über Steuergelder oder ein am individuellem Einkommen gemessener Beitrag, wie es in Deutschland der Fall ist.

Beide ReferentInnen betonten außerdem, dass Gesundheit ein Menschenreicht ist und dies zu garantieren eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Im Anschluß an die Vorträge gab es eine Diskussion mit dem Publikum. Hier wurde herausgearbeitet, dass die Kategorisierung Indonesiens als Schwellenland und nicht als Entwicklungsland ein unzureichendes Bewusstsein über die Probleme des Inselstaates mit sich zieht. Bei ausländischen Organisationen und Einzelpersonen herrscht Unwissenheit über die allgemeine Situation im Land.

Zwar wird, besonders bei Naturkatastrophen, Unterstützung von der Regierung und aus dem Ausland geboten, doch ist diese sehr unstrukturiert und nicht an die tatsächlichen Bedürfnisse der Betroffenen angepasst. Zu nennen hierbei das Beispiel einer Großlieferung von Fertignudeln in ein Gebiet ohne Elektrizität und fließend Wasser, was eine Zubereitung unmöglich macht.

Zudem ist der Mangel an Fachkräften in allen Bereichen, besonders aber in der Medizin wieder anzusprechen, ebenso wie die Tatsache, dass die wenigen gut ausgebildeten Menschen ihre Heimatregionen, in denen sie so dringend benötigt werden, verlassen und in die großen Städten ziehen.

Als abschließender Punkt wurde noch die vom Staat finanzierte Sozialhilfe genannt, die grundsätzlich viel zu wenig Geld zur Verfügung hat und somit die Bedürfnisse der Betroffenen nicht einmal ansatzweise decken kann. Auch hier ist es wichtig ein Finanzierungsmodell zu finden, welches auf eine lange die Bedürfnisse aller berücksichtigt und eine ausreichende Versorgung gewährleistet.Wenn auch mit Hilfe und Unterstützung von Außen, muss für die Zukunft eine Lösung aus dem Land selbst kommen. Denn nur durch die selbstständige Klärung der Probleme kann ein stabiles und funktionierendes Gesellschaftssystem entstehen.

Zum Ausklang des Abends gab es ein Angebot an indonesischem Essen, bei dem die TeilnehmerInnen und ReferentInnen den Austausch in kleineren Gruppen fortsetzten. (K.J.H)